Für die Zukunft des Birmi-Wassers
Mit einer neuen Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigungen und einem innovativen Photovoltaik-Faltdach setzt die Kläranlage Birmensdorf zwei markante Zeichen für den Gewässerschutz und die Energiezukunft. Doch abgeschlossen ist die Entwicklung damit keineswegs: Weitere Ausbauten stehen bereits bevor.
Die Kläranlage Birmensdorf gehört zu jenen Infrastrukturen, die nie wirklich fertig gebaut sind. «Während Strassen, Schulhäuser oder Wohnbauten irgendwann als abgeschlossen gelten, entwickeln sich Kläranlagen laufend weiter – getrieben von technischen Innovationen, strengeren Umweltvorgaben und dem Wachstum der Bevölkerung», sagte Ringo Keller in seiner Funktion als Präsident des Zweckverbands Kläranlage an der offiziellen Einweihung zweier neuer Anlageteile. «Wir feiern heute ein Gebäude zur Elimination von Mikroverunreinigungen sowie ein neuartiges Photovoltaik-Faltdach über den Vorklärbecken.» Am Eröffnungsabend nahmen Vertreter:innen aus Politik, Ingenieurwesen, Handwerk und beteiligten Unternehmen teil. Einen Tag später eröffnet die Kläranlage ihre Türen für die Bevölkerung. Zahlreiche Interessierte erhielten einen seltenen Einblick in die Prozesse der modernen Abwasserreinigung und konnten die neuen Einrichtungen aus nächster Nähe besichtigen. «Das Faltdach hat ja schon einen besonderen Reiz, um auf diese Weise mehr eigenen Strom zu produzieren. Bei Sturm und Hagel wird das Dach aus Sicherheitsgründen eingefahren, das ist genial», meinte ein Besucher nach der Besichtigung. Im Zentrum der Erweiterung steht die sogenannte Elimination von Mikroverunreinigungen. Gemeint sind Schadstoffe wie Medikamentenrückstände, Pestizide oder chemische Spurenstoffe, die herkömmliche Kläranlagen oft nur unzureichend entfernen können. In Birmensdorf kommt dafür künftig Ozon zum Einsatz. Das Gas reagiert mit organischen Stoffen im Wasser und baut diese chemisch ab. Übrig bleiben kleinere Verbindungen, die biologisch leichter abgebaut werden können. Die zusätzliche Reinigungsstufe gilt als wichtiger Schritt für den Gewässerschutz. Gerade in dicht besiedelten Regionen gewinnen solche Technologien zunehmend an Bedeutung, da Rückstände aus Haushalten, Landwirtschaft und Industrie in Flüsse und Seen gelangen können. Auch das neue Photovoltaik-Faltdach verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig. Einerseits produziert die Anlage damit erneuerbaren Strom direkt vor Ort und senkt ihren eigenen Energieverbrauch. Andererseits schützt die Überdachung die Vorklärbecken vor Regenwasser und reduziert das Algenwachstum. Zusätzliche Flächen müssen dafür nicht beansprucht werden – die bestehende Infrastruktur wird effizienter genutzt. Trotz der aktuellen Erweiterungen ist für die Verantwortlichen klar: Die Entwicklung der Anlage geht weiter. Bereits 2027 soll das bestehende Blockheizkraftwerk ersetzt werden, da es das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat. Danach dürfte die Weiterentwicklung der Schlammbehandlung folgen. Hinzu kommen neue gesetzliche Anforderungen im Gewässerschutz sowie das Bevölkerungswachstum im Einzugsgebiet. Beides wird weitere Investitionen notwendig machen. Für den Zweckverband ist deshalb klar: Nach dem Bau ist vor dem Bau.

