Igelstation Säuliamt: «Jeder Igel verdient eine zweite Chance»
Die Igelstation Säuliamt wurde am 13. März 2023 gegründet und besteht aus 30 ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Sie nimmt gleichzeitig bis zu 12 kranke, verwaiste sowie zu leichte Igel auf, die noch nicht genügend Gewicht haben, um in den Winterschlaf zu gehen.
Was sind die häufigsten Gründe für eine Einlieferung?
Die meisten Igel werden wegen Innenparasiten, welche die Lunge und den Darm angreifen, zu uns gebracht. Diese Parasiten schwächen den Igel und er kann sein Futter nicht mehr fangen, wodurch er auch abmagert. Falls nötig, werden die Igel beim Tierarzt erstversorgt, dann zu uns gebracht zur Weiterbehandlung, Entwurmung und Auffütterung.
Wie können Privatpersonen den Igeln helfen?
Besonders diejenigen, die einen Garten haben, sollten diesen naturnah einrichten und pflegen oder zumindest eine Ecke so belassen, dass Igel dort eine Unterkunftsmöglichkeit finden. Und vor allem kann dort auch ihr Futter gedeihen, da sie sich hauptsächlich von Insekten ernähren. Einheimische Pflanzen im Garten sind dabei besonders gut.
Die Robotermäher sollte man nicht in der Dämmerung oder nachts laufen lassen. Mit dem Fadenmäher sollte man unter den Gebüschen vorsichtig mähen – am besten zuerst sanft mit einem Laubrechen stochern. Wasserstellen bereitstellen, aber bitte nicht füttern, da sonst zu viele Igel an einem Ort fressen und sich einfacher mit Parasiten anstecken können. Die Igel finden ihr Futter von selbst – nur vor und nach dem Winter kann eine Fütterung als Überbrückung sinnvoll sein. Wichtig ist auch, im Strassenverkehr rücksichtsvoll zu fahren, vor allem zur jetzigen Zeit. Es ist Paarungszeit und somit sind grosse Igel auf Partnersuche. Igel fühlen sich im kleinstrukturierten Siedlungsgebiet wohl.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Igel in der Schweiz?
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Biodiversität und Naturschutz noch stärker in Politik und Gesellschaft verankert werden. Gerade auf politischer Ebene gibt es viele Möglichkeiten, positive Entwicklungen anzustossen und unsere Lebensräume nachhaltig zu gestalten – zum Wohl von Igeln, Insekten und vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten.
Ein wichtiger Beitrag dazu ist ein attraktiver und gut ausgebauter öffentlicher Verkehr. Wenn mehr Menschen den ÖV nutzen können, profitieren sowohl die Umwelt als auch die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden.
Ebenso freue ich mich über Bauprojekte, die Natur und Lebensraum von Anfang an mitdenken. Grünflächen, Gärten, Hecken und Gebüsche schaffen nicht nur ein angenehmes Wohnumfeld, sondern bieten auch wertvolle Rückzugsorte für Tiere.
Besonders am Herzen liegt mir die Förderung naturnaher Gärten. Mit einheimischen Pflanzen (siehe auf unserer Homepage), Asthaufen und vielfältigen Strukturen lassen sich wertvolle Lebensräume schaffen, die die Biodiversität stärken und das Naturerlebnis direkt vor der Haustür bereichern. Solche Gärten zeigen, dass Vielfalt, Schönheit und Pflege wunderbar zusammenpassen. Wenn wir diesen Gedanken weitertragen, können wir gemeinsam viele kleine und grosse Lebensräume für die Natur schaffen.

