Wenn die alte Turmuhr wieder tickt
Eine historische Turmuhr, die Geschichte der reformierten Kirche und ein Blick zurück auf das Birmensdorf von früher: Beim offenen Samstag in der Museumsscheune dreht sich alles um ein Stück Ortsgeschichte, das bis heute das Dorfbild prägt.
Wer in Birmensdorf unterwegs ist, kennt den Kirchturm der reformierten Kirche. Er gehört zum vertrauten Ortsbild und ist für viele seit Kindheitstagen selbstverständlich. Doch hinter den Mauern und dem Zifferblatt steckt eine Geschichte, die weit zurückreicht. Beim offenen Samstag in der Museumsscheune an der Kirchgasse 14 wurde sie wieder lebendig.
Im Mittelpunkt steht die historische Turmuhr aus dem Jahr 1920. Was heute auf den ersten Blick wie ein Relikt aus einer anderen Zeit wirkt, war einst ein technisches Meisterwerk und für den Alltag der Bevölkerung von grosser Bedeutung. Noch bevor Smartphones und digitale Uhren die Zeit überall verfügbar machten, gab der Kirchturm den Takt des Dorflebens vor. Sein Zifferblatt war weithin sichtbar, sein Uhrwerk sorgte dafür, dass die Zeit nicht nur angezeigt, sondern auch gehört werden konnte.
Der Kurator Albert Wey erläuterte am offenen Samstag nicht nur die Funktionsweise der Uhr, sondern verband sie mit der Geschichte der reformierten Kirche. Damit wird aus einem technischen Gegenstand ein Stück gelebte Ortsgeschichte: «Die Kirche war über Jahrhunderte weit mehr als ein Gebäude für Gottesdienste», sagte er. «Sie war Orientierungspunkt, Treffpunkt und prägender Bestandteil des Dorflebens. Der Kirchturm wiederum war weithin sichtbar und mit seinem Glockenschlag für Generationen Teil des täglichen Lebens.»
Auch ein Blick auf alte Fotografien macht deutlich, wie stark sich Birmensdorf verändert hat. Auf historischen Aufnahmen erscheint die reformierte Kirche eingebettet in eine Landschaft, die mit dem heutigen Ortsbild kaum mehr vergleichbar ist.
Häuser, Wege und Felder haben sich verändert – der Kirchturm aber ist geblieben und erzählt damit gewissermassen selbst ein Stück Kontinuität.
Der offene Samstag richtete sich deshalb nicht nur an Technikinteressierte oder eingefleischte Geschichtsfans. Gerade wer täglich an der Kirche vorbeikommt, konnte hier entdecken, was hinter einem scheinbar vertrauten Bauwerk steckt. Die historische Turmuhr wurde dabei zum Ausgangspunkt für eine Zeitreise: zurück in ein Birmensdorf, in dem die Kirche noch stärker als heute Mittelpunkt des Dorfes war und eine mechanische Uhr den Rhythmus des Alltags bestimmte.
Oder anders gesagt: Ortsgeschichte steckt nicht zwingend nur in dicken Büchern. Manchmal befindet sie sich direkt über unseren Köpfen – in einem alten Uhrwerk, hinter einem Zifferblatt oder in einem Kirchturm, dessen Anblick längst zur
Gewohnheit geworden ist.

