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Wenn Krankheit zur Kunst wird

Die WSL-Forscherin Vivanne Dubach verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: Als Forstpathologin erforscht sie Baumkrankheiten, als botanische Malerin macht sie deren Spuren sichtbar. Für ihre Bilderserie über Ahornkrankheiten wurde sie an der renommierten RHS Botanical Art and Photography Show in London mit einer Silver-Gilt-Medaille ausgezeichnet.

Pilze, Flecken, Verfärbungen und abgestorbene Blätter sind für die meisten Menschen eher Zeichen eines kranken Baumes als ein Motiv für ein Kunstwerk. Für Vivanne Dubach beginnt genau hier die Faszination. Die Forstpathologin bei Waldschutz Schweiz an der WSL untersucht, warum Bäume krank werden und welche Organismen dahinterstecken. Gleichzeitig bringt sie diese Erkenntnisse mit Pinsel und Farbe aufs Papier. «Als Forstpathologin schaue ich Bäume mit Krankheitssymptomen an und finde heraus, wie diese zustande kommen. Es ist eine spannende Detektivarbeit», erzählt sie. Ihr Schwerpunkt liegt auf Pilzkrankheiten. Zur Forstpathologie kam Dubach über ihre Masterarbeit – und blieb dem Fachgebiet treu. Eine eigentliche Ausbildung zur Forstpathologin gibt es nicht. «Man lernt, während man arbeitet. So darf ich mich fortlaufend weiter spezialisieren, das ist wirklich toll.» Auch die Kunst begleitet Dubach schon lange. Während des Studiums an der ETH sei ihre künstlerische Seite etwas zu kurz gekommen. Mit der botanischen Malerei fand sie einen Weg zurück. Mehr noch: Sie entdeckte darin eine Möglichkeit, Wissenschaft und Kunst miteinander zu verbinden. «Sie erlaubt mir, eine Brücke zu schlagen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst.» Bilder könnten Menschen anders erreichen als geschriebene Fachtexte. Diese Verbindung hat nun international Beachtung gefunden. An der diesjährigen RHS Botanical Art and Photography Show in der Londoner Saatchi Gallery wurde Dubachs Serie «Acer pseudoplatanus: the most common disease symptoms in Switzerland» mit Silber-Gold ausgezeichnet – der Silver-Gilt-Medaille, der zweithöchsten der vergebenen Medaillenkategorien. Die Royal Horticultural Society beurteilt die Arbeiten unter anderem nach wissenschaftlicher Genauigkeit, technischer Qualität und künstlerischer Wirkung. Für Dubach ist die Auszeichnung besonders wertvoll, weil sie mit ihrer ungewöhnlichen Spezialisierung einen eigenen Weg geht. «Meines Wissens gibt es weltweit niemanden, der dasselbe macht wie ich. Es gibt eben auch wenige Forstpathologen», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Krankheitssymptome würden in botanischen Bildern zwar gelegentlich dargestellt, doch selten so, dass man anhand der Illustration tatsächlich eine Krankheit kennenlernen könne. Genau das ist ihr Anliegen. «Mit meiner Arbeit möchte ich die Schönheit der Krankheit darstellen. Denn Krankheit gehört zum gesunden Wald dazu.» Gleichzeitig möchte sie den Blick auf jene winzigen Organismen lenken, die sonst kaum jemand wahrnimmt. Dass dies ausgerechnet in London auf so grosse Anerkennung stiess, freut Dubach besonders. Mit einer Medaille dieser Kategorie hatte sie als Erstausstellende nicht gerechnet. «Dass ich so hoch eingestuft wurde, ist ein einmaliger Spiegel für mich.» Noch wichtiger als die Auszeichnung sei es aber gewesen, von den Besten zu lernen. Und wie geht es weiter? Einen weiteren Wettbewerb hat Dubach derzeit nicht im Visier. Dafür könnte im kommenden Jahr eine erste Soloausstellung in Zürich zustande kommen. «Es wäre schön, wenn die Bilder mehr unter die Leute kommen.» Denn erst dann, sagt sie, entwickle sich die von ihr gewünschte Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft vollständig. Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht: An einem Bild arbeitet sie Wochen, teilweise Monate. «Diese Art der Malerei erfordert sehr viel Zeit.» Gerade deshalb dürfte es sich lohnen, genauer hinzusehen – auch bei einem kranken Ahornblatt.

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