Lotto statt Elfenbeinturm: Aesch setzt auf Kultur für alle
Mit dem 1. Aescher Lotto beschreitet die Kulturkommission neue Wege. Gemeindepräsident André Guyer erklärt, warum ein Lottospiel mehr ist als nur Unterhaltung – und was das mit seiner Vision von Kultur und Politik zu tun hat.
Ein Lotto-Nami als kulturelles Experiment: Was auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt, ist für André Guyer ein bewusster Schritt. Der Gemeindepräsident von Aesch ZH ist zugleich Präsident der Kulturkommission – und diese will mit dem 1. Aescher Lotto ein neues, breiteres Publikum ansprechen. Die Idee dazu wurde von einer langjährigen Dorfbewohnerin angestossen und mit deren tatkräftigen Mithilfe durch die Kulturkommission umgesetzt. «Eine Kollegin brachte den Vorschlag ein, erstmals ein Lotto in Aesch ZH durchzuführen», erzählt Guyer. Skepsis sei durchaus vorhanden gewesen: Ob ein solches Format Anklang finden würde, habe niemand so recht gewusst. In ländlichen Regionen seien Lottoveranstaltungen seit Jahren beliebt, erklärt Guyer – auch wenn er selbst zuvor weder mit dem einen noch dem anderen Erfahrung hatte. Nun wagt man den Versuch erstmals. Sollte das Interesse stimmen, sei eine regelmässige Durchführung durchaus denkbar. Das Spiel selbst ist einfach gehalten: Die Teilnehmenden kaufen für fünf Franken einen gelben Zettel mit Zahlen, die gezogenen Gewinnzahlen werden abgedeckt. Wer zuerst alle Felder geschlossen hat, ruft «Lotto» und darf sich einen Preis aussuchen. Durch den Nachmittag führt Moderator Philippe Stucki. Attraktiv wird das Ganze nicht zuletzt durch die Vielzahl an Preisen – viele davon gesponsert von lokalen Betrieben. «Zu unserer grossen Überraschung war die Sponsorsuche relativ einfach», sagt Guyer. Besonders freue ihn die starke Beteiligung aus dem lokalen Gewerbe. Das Lotto ist Teil einer strategischen Neuausrichtung der Kulturkommission, welche mit der im September 2025 angenommenen Revision der Gemeindeordnung neu «Faescht- und Kulturkommission» heisst. Diese wolle man künftig «volkstümlicher» aufstellen. «Wir waren bisher tendenziell etwas zu elitär unterwegs», räumt Guyer ein. Das bedeute jedoch keinen Bruch mit bisherigen Formaten: Bereits am 15. März steht von 11 bis 12 Uhr das Harfen- und Cellokonzert Saitenzauber auf dem Programm, im Herbst folgt dann eine Kunstausstellung mit Werken der Aescher Künstlerin Marianne Wiederkehr. Neben Kultur ist für Guyer derzeit auch Politik präsent: Er befindet sich im Wahlkampf um eine weitere Amtszeit als Gemeindepräsident. Warum man ihn erneut wählen solle? Er lacht und antwortet selbstbewusst: «Weil ich es kann. Und weil ich für eine weitere Amtszeit gerne bereit bin».

