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Hier kämpfen Jungpflanzen gegen die Strömung

Im Strömungskanal der WSL in Birmensdorf simulieren Forschende Hochwasser, Abflussschwankungen durch die Wasserkraftnutzung und Trockenperioden. Zwischen Kies und Sand wachsen junge Pflanzen in einem Miniaturfluss – mit dem Ziel zu verstehen, unter welchen Bedingungen Auenpflanzen in der Zukunft überleben.

Der Wasserlauf beginnt unscheinbar. Ein leises Rauschen, kaum lauter als ein Gartenbrunnen, zieht sich durch die Halle der WSL in Birmensdorf. Doch was hier durch einen zehn Meter langen Strömungskanal fliesst, ist mehr als Wasser: Es ist ein Experiment, um das Schicksal der Schweizer Auen besser zu verstehen. Acht Meter des Kanals sind bepflanzt. Darin wachsen Hunderte junge Pionierpflanzen zwischen Kies, Sand und Steinstufen. Insgesamt fünf Tonnen Material wurden eingebaut – ­geliefert von einem lokalen Unternehmen aus Birmensdorf. «Der künstliche Fluss soll möglichst realistisch nachbilden, was in dynamischen Auen geschieht: wechselnde Wasserstände, plötzlich anschwellende Abflüsse und trockene Perioden», sagt die Projektverantwortliche Sabine Fink von der Forschungseinheit Biodiversität und Naturschutzbiologie. Sie untersucht mit ihrem Team, wie widerstandsfähig typische Auenpflanzen gegenüber den immer extremeren Bedingungen in Fliessgewässern sind. Das Forschungsprojekt ist Teil des Programms «Resiliente Fliessgewässer». Im Zentrum stehen drei charakteristische Auen-Arten: die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica), die Lavendelweide (Salix elaeagnos) und die Purpurweide (Salix purpurea). Pflanzen also, die normalerweise auf Kiesbänken dynamischer Flüsse wachsen – dort, wo Hochwasser regelmässig alles umformen. «Gerade diese Dynamik fehlt heute vielerorts. Flüsse ­wurden begradigt, Ufer befestigt, Wassermengen reguliert. Für viele ­Auenarten verschwinden dadurch die offenen Kies- und Sandflächen, auf denen sie keimen können», sagt Fink. Im Experiment versuchen die Forschenden deshalb herauszufinden, welche Bedingungen die Pflanzen zum Überleben brauchen. Der Kanal arbeitet mit Abflussmengen zwischen zwei Litern pro Sekunde – dem simulierten Basisabfluss – und sieben Litern pro Sekunde, die einen künstlichen Schwall erzeugen. Solche Schwall-Sunk-Ereignisse entstehen etwa unterhalb von Wasserkraftwerken mehrmals täglich, wenn kurzfristig grosse Wassermengen freigesetzt werden. Die Dimensionen des Projekts sind beachtlich. Bereits 2025 und 2026 werden jeweils 10 560 Samen angesät. Pro Versuchsdurchgang pflanzen die Forschenden 864 Jungpflanzen in den Kanal; im aktuellen Vorversuch waren es 432. Was nach nüchterner Laborarbeit klingt, ist ein Thema, zu dem mehr Wissen dringend notwendig ist. Denn mit dem Klimawandel verändern sich Schweizer Flüsse schneller denn je. Längere Trockenphasen wechseln sich mit starken Hochwassern ab, Lebensräume verschieben sich oder verschwinden ganz. Die Forschung in ­Birmensdorf soll helfen zu verstehen, wie Auen trotz dieser ­Veränderungen ökologisch funktionieren können.

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