Zwischen Gehörschutz und Gemeinschaft: Feldschiessen in Birmensdorf
Wer die Schiessanlage im Bergermoos besucht, merkt schnell: Das Eidgenössische Feldschiessen ist weit mehr als ein Wettkampf. Beim Feldschützenverein Birmensdorf treffen Präzision, Tradition und Vereinsleben aufeinander.
Schon beim Betreten der Schiessanlage gehört der Gehörschutz zur Grundausstattung. Auf den Distanzen von 50 Metern mit der Pistole und 300 Metern mit dem Gewehr fallen im Minutentakt Schüsse. Das dumpfe Knallen prägt die Geräuschkulisse, dennoch wirkt die Atmosphäre ruhig und geordnet. Die Schützinnen und Schützen bewegen sich routiniert zwischen Anmeldung, Waffenkontrolle und Schützenstand. Kommandos werden klar und besonnen gegeben, jeder Handgriff sitzt. Der Feldschützenverein Birmensdorf (FSVB) gehört zu denjenigen Vereinen, welche das Eidgenössische Feldschiessen jedes Jahr organisieren. Der Anlass gilt als grösstes Schützenfest der Welt und steht der gesamten Bevölkerung offen. «Geschossen wird in Birmensdorf auf 300 Meter mit dem Gewehr sowie auf 50 Meter mit der Pistole», sagt der Vereinspräsident Danny Gerber. Die Teilnahme ist kostenlos, selbst die Munition wird zur Verfügung gestellt. Auch Leihwaffen können genutzt werden. Auf dem Gelände zeigt sich, dass das Feldschiessen nicht nur sportlichen Charakter hat. Zwischen den Schiessständen wird diskutiert, gefachsimpelt und auf Resultate gewartet. Erfahrene Vereinsmitglieder betreuen Neulinge, erklären Abläufe und beantworten Fragen. Viele Teilnehmende kennen sich seit Jahren, andere sind zum ersten Mal dabei. Diese Mischung verleiht dem Anlass eine offene, herzliche und zugleich familiäre Atmosphäre. Der FSVB pflegt das sportliche Schiessen das ganze Jahr über. Trainings, Vereinsmeisterschaften, Jungschützenkurse und Bundesübungen gehören zum festen Programm. Das Feldschiessen nimmt dabei jedoch einen besonderen Stellenwert ein. Auf der Vereinswebsite wird es als grösster Anlass des Jahres beschrieben – nicht zuletzt aufgrund der hohen Beteiligung von Mitgliedern und Gästen. Während auf den Scheiben um Punkte gerungen wird, bleibt die Stimmung bemerkenswert entspannt. Niemand muss sich beweisen, niemand drängt sich in den Vordergrund. Der Fokus liegt auf der Konzentration und der Sicherheit. Gerade dieser Kontrast macht den Besuch besonders interessant: Obwohl es um Waffen und Wettkampf geht, entsteht ein Eindruck von Gemeinschaft, Verantwortungsbewusstsein und gegenseitigem Respekt. Das Feldschiessen ist ein sorgfältig organisierter Traditionsanlass, bei dem die Disziplin und das Miteinander gleichermassen geschätzt und gepflegt werden. So bleibt am Ende weniger das Echo der Schüsse in Erinnerung als das Bild eines Vereins, der eine schweizerische Tradition mit Engagement, Offenheit und ruhiger Selbstverständlichkeit weiterführt.

